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Netzwerk Gesundheit und Kommunikation e.V.

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Die Wunderpille in Verdacht

Dr. Rainer Hübner

Wie so vielen Wunderdrogen scheint es jetzt auch der neuesten Antiraucherpille zu ergehen: schwerwiegende Nebenwirkungen, und das schon nach kurzer Einnahme, sind mehrfach in vielen Internetforen berichtet und auch in klinischen Studien aus Kanada nachgewiesen worden. Das Präparat ist nach der EU - Zulassung als Champix auf dem Markt und erzeugte in Nordamerika und auch in Europa mit einer Abstinenzerfolgsrate von 30 % eine euphorische Erwartungshaltung ( Wir berichteten in der Infothek ).  

 

Der Wirkstoff ( Vareniclin ) ist der Nachbau eines Alkaloids, das im Gemeinen Goldregen enthalten ist. Die nikotinähnliche Wirkung des Goldregens ist in Osteuropa seit langem bekannt, auch dessen Eigenschaft, dass er nicht süchtig macht. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Goldregen auch als Tabakersatz verwendet. Ein aus dem Goldregenalkaloid ( Cytisin ) hergestelltes Antirauchermedikament ist als Tabex in Osteuropa und war auch in der DDR zugelassen.  

Nun muss sich die amerikanische Zulassungsbehörde, die FDA, mit der Überprüfung der zunehmenden Berichtsflut über Nebenwirkungen von Vareniclin befassen. Berichtet werden Verhaltensauffälligkeiten, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Depressionen, Suizidgedanken, Suizide und Tobsuchtsepisoden.  

Bekannt wurde der Fall des amerikanischen Musikers Jeffrey Carter Albrecht, der in solch einer Tobsuchtsepisode seinen Nachbarn bedrohte und von diesem erschossen wurde.  

 

Nun ist die Aufgabe der FDA nicht einfach, einen Kausalzusammenhang zwischen der Medikamentenwirkung und den aufgezählten Nebenwirkungen nachzuweisen oder zu verneinen, denn schon der reine Entzug von Nikotin kann Depressionen und Ausbrüche von Psychosen bewirken.Vorerst warnt die FDA alle Ärzte bei Verschreibungen dieses Medikaments, auf Veränderungen der Stimmungslage ihrer Patienten zu achten.  

 

Auch die Redaktion des „arznei- telegramm" (redaktion@arznei-telegramm.de) macht in einem Blitztelegramm (21.11.2007) die Ärzte auf die vorliegende Problematik aufmerksam.Sie beurteilt: „Wir stufen Vareniclin als ein schlecht verträgliches Mittel mit eher dürftigem Nutzen ein, das allenfalls als letzte Reserve in Betracht kommt, wenn eine medikamentöse Unterstützung bei der Nikotinentwöhnung erforderlich ist und eine Nikotinersatztherapie fehlgeschlagen ist".Wahrscheinlich und wieder einmal geht ein Traum verloren, durch müheloses Pilleneinnehmen ein Suchtverhalten abzustellen.Es bleiben vorerst die in reicher Zahl angebotenen Raucherentwöhnungsprogramme, die immer Kombinationen von Nikotinersatz und Psychotherapie sind, denn Hauptkomponente jeder Sucht ist immer die psychische Abhängigkeit.  

 


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Die in der Infothek aufgeführten Beiträge geben die Meinung der Verfasser, nicht die des Vorstandes wieder.