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Netzwerk Gesundheit und Kommunikation e.V.

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18.02.2008

Betriebliche Gesundheitsförderung

Ein Beitrag von Dr.med. Rainer Hübner

Immer wieder wird ein niedriger Krankenstand in einer Belegschaft als Qualitätsausweis für eine erfolgreiche betriebliche Personalpolitik im Sinne einer ebenso erfolgreichen Mitarbeiterorientierung gewertet.Bei dieser Art der Bewertung spielen immer zwei Kennzahlen eine zentrale Rolle: Die Anzahl der Arbeitsunfälle und die krankheitsbedingten Fehlzeiten. An Hand dieser Kennzahlen kann man den tiefsten Krankenstand seit Jahren in Deutschland nachweisen, er liegt bei 3,3 % und ist eine historische Tiefmarke.Unterschiedliche Erklärungen werden dafür ins Feld geführt: Verbesserte Ergonomie, erfolgreichere Prävention, die Möglichkeit des Vorruhestandes und der Rückgang schwerster körperlicher Belastungen.  

Inzwischen reift aber die Erkenntnis, dass die reine physische Präsenz die krankheitsbedingten Leistungseinschränkungen der Mitarbeiter verschleiern kann.  

Darüber hinaus kann festgestellt werden, dass der steigende „Präsentismus" in Unternehmen deren wirtschaftliche Leistung beeinträchtigt. Deutlich wird das auch an den rückläufigen Leitungszahlen bei Versuchen ei= nes Unternehmens, den Krankenstand aggressiv zu senken, in dem sich die sogenannten Grenzkosten erhöhen. Das sind Kosten, die bei Kontrollen und Sanktionen entstehen.  

 

Vielfach wird ins Feld geführt, dass durch die Beseitigung der gefährlichen Schnittstelle Mensch - Maschine der Krankenstand sich automatisch senkt. Hier aber wird verkannt, dass die nun dafür eingetretene Schnittstelle Mensch - Mensch mit ebenso hohen krankmachenden Potentialen behaftet ist.Gruppenarbeit kann beflügeln und leistungssteigernd sein, aber ebenso durch Gruppendruck krankmachend und leistungsmindernd sein. Mobbing, Burn Out, Versagensängste, Präsenz bei ernsthaften medizinischen Problemen sind die Erscheinungen der neuen Arbeitskultur.  

 

Gefährlich wird es für den Mitarbeiter aber auch für das Unternehmen, wenn Krankheit als Störfaktor angesehen wird, denn die daraus entstehende nachhaltige Zerstörung des Betriebsklimas führt zur komplexen Beeinträchtigungen der wirtschaftlichen Leitungsfähigkeit. Die Kosten für diese Art erzwungenen Präsentismus liegen weit über denen, die der gleichzeitige Krankenstand (Absentismus) verursacht (Studie der Fa.= Dow Chemical mit 12000 Beschäftigten).  

Gut fährt das Unternehmen, welches Arbeit und Gesundheit nicht zur Privatsache der Mitarbeiter macht, sondern sich aktiv um gesunderhaltende Arbeitsbedingungen kümmert, indem es das Arbeitsklima verbessert durch Abbau von Ängsten der Mitarbeiter vor krankheitsbedingten Benachteilungen und auch mal eine gesunderhaltende Krankschreibung ohne Misstrauen akzeptiert.  

 

Es tut weiterhin gut daran, alters- und geschlechtsangepasste Arbeitsplätze zu schaffen und ständige Präventionsangebote zu haben und dergleichen Aktivitäten zu fordern und zu fördern. Gerade in der Leistungswelt der Arbeit birgt eine rechtzeitige Krankheitspause ein hohes Gesundheits- und damit Leistungspotential, jede kluge Betriebsführung sollte diese Dialektik erkennen und damit arbeiten.Quellen: Deutsches Ärzteblatt / Jahrg. 105 / Heft 3Forschung Frankfurt 3 / 2007  


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Die in der Infothek aufgeführten Beiträge geben die Meinung der Verfasser, nicht die des Vorstandes wieder.