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Netzwerk Gesundheit und Kommunikation e.V.

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21.04.2008

Lebensführung und Diabetes

Ein Beitrag von Herrn Dr. Rainer Hübner

Noch im 19. Jahrhundert wurde die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus, der Terminus stammt aus dem Griechischen und heißt: Honigsüßer Durchfluss) durch eine Kostprobe aus dem Urin diagnostiziert. Diese Diagnose machte den baldigen Tod gewiss.  

Dabei handelte es sich überwiegend um die juvenile (jugendliche) Form des Diabetes, klassifiziert als Typ I. Ursache dieser Erkrankung ist eine Unterfunktion der insulinbildenden Betazellen in den Langerhansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse, hervorgerufen durch eine Autoimmunaggression gegen diese Betazellen.  

Die Folge ist eine unzureichende Insulinproduktion mit einem Anstieg des Blutzuckerspiegels, der wiederum über die Erhöhung des osmotischen Druckes im Blut zu den klassischen Symptomen, unlöschbarer Durst und massive Urinausscheidung, führt. Ohne eine akute Intervention, zum Beispiel Insulinzufuhr, verstirbt der Erkrankte im Diabetischen Koma.  

 

Das Problem schien fast gelöst als die Kanadier Banting und Best Insulin aus Tierorganen isolierten und gereinigt auch am Menschen erfolgreich einsetzten (1921). Den juvenilen Diabetes konnte man nunmehr erfolgreich behandeln.  

Doch es trat ein anderer Diabetestyp hinzu, der im Laufe des 20. Jahrhunderts fast seuchenhafte Dimensionen ereichte und sich noch immer weiter verbreitet, der Typ II. Für diese Erkrankung ist nicht der Insulinmangel ursächlich, sondern eine mangelnde Aufnahme des Blutzuckers in die verbrauchenden Körperzellen. Dieser Typ II- Diabetes ist eine komplexe Stoffwechselstörung, deren genetische Veranlagung bei vielen Menschen vorhanden ist, aber erst durch die Lebensverhältnisse, wie sie typisch in Industrienationen sind, zum Ausbruch kommt. Diese sind vor allem Über- und Fehlernährung gepaart mit andauerndem Bewegungsmangel.  

Die Ursache für die dramatische Zunahme des Diabetes sind nicht mangelnde Eigenverantwortlichkeit und Disziplinlosigkeit der Menschen in den Industriestaaten, vielmehr wird der Diabetes durch das Zusammenspiel genetischer Faktoren, Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten verursacht ( Elke Austenat: Das Diabeteskomplott, ABW Wissenschaftsverlag 2005 ). Der Hallenser Biochemiker Demuth bemerkt treffend: „ Unsere Gene sind eigentlich auf Überleben unter Mangel ausgerichtet". Das bedeutet für uns, wir sind durch unsere zivilisatorische Errungenschaft, sich jederzeit sättigen zu können und es auch zu tun, stoffwechselmäßig überfordert. Drei Mahlzeiten am Tag mindestens, davon eine natürlich warm, müssen nicht unbedingt gesund sein.  

Wir dürfen nicht vergessen: Die guten Ratschläge unserer Großmütter und Mütter, essen halte Leib und Seele zusammen, stammen aus andauernden Notzeiten. Wir haben irgendwie vergessen und verlernt, zwischen Hunger und Appetit zu unterscheiden. Am Ende ist es egal, ob wir durch Haute Cuisine oder durch Hamburger fett werden, die Stoffwechselüberforderung ist die gleiche.  

 

Was können wir tun, der Magere und der Dicke? Mehr Bewegung und weniger essen, und uns von selbsternannten Diätetikern, Trennkost- und anderen Fanatikern fernhalten, ebenso von Dönerbuden und Co, die über unkultiviertes und unkontrolliertes Essen einen erheblichen Schaden anrichten. Und sollte ein Diabetes diagnostiziert werden, keine Schuldgefühle und Selbstvorwürfe. Es ist immer noch Zeit, den drohenden Spätfolgen einer andauernden Zuckerkrankheit entgegen zu wirken. Unser Gesundheitswesen bis hin zu Selbsthilfegruppen haben die Kompetenz, jedem Erkrankten qualifizierte Therapie und Beratung angedeihen zu lassen.  

Mein Rat zu den Pfingstfeiertagen:Kontrollieren Sie Ihren Appetit, warten Sie auf den richtigen Hunger, und essen Sie im Kreise Ihrer Familie, dann kann es auch ein Braten sein.  

Frohe Feiertage!  

Dr. Rainer Hübner  

 


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