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Netzwerk Gesundheit und Kommunikation e.V.

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Die Priorisierung von Gesundheitsleistungen, ein anderes Wort für Rationierung?  

Hoppe forderte eine öffentliche Diskussion darüber, wie man künftig mit den begrenzten Ressourcen im Gesundheitswesen umgehen soll, um eine gerechte Verteilung der Gesundheitsleistungen zu erhalten.Als Beispiel dafür nannte er das Priorisierungssystem für medizinische Leistungen in den Ländern des skandinavischen Raumes. In Schweden wird schon seit den 1980- er Jahren die Diskussion um eine gerechte Verteilung von Gesundheitsleistungen geführt und in den Neunzigern bereits in gesetzliche Regelungen umgesetzt. Diese erschienen in Form von Prioritätenlisten, die den Zugang für bestimmte medizinische Leistungen nach Dringlichkeit und therapeutischem Wert regeln, und, das ist das Entscheidende, von der Bevölkerung anerkannt werden.Eine abgestufte Dringlichkeitsskala reicht von der lebensbedrohlichen Erkrankung bis hin zur Nichterstattung von Leistungen, die keine Begründung in einer Krankheit oder in einem Schaden haben. Darüber hinaus existiert noch eine so genannte Stoppliste, die einige Behandlungen aus der Erstattungsliste der Krankenkassen ausschließen, z. B. Kaiserschnitt ohne offenbare psychische oder medizinische Indikation.Hoppe meint, dass sich bei dem anwachsenden Bedarf an medizinischen Leistungen und gleichbleibenden materiellen und personellen Ressourcen sich eine ungerechte Verteilung von medizinischen Leistungen in Form von Rationierungen in der Zukunft nur durch Priorisierungen der Leistungsangebote verhindern ließe. Das hieße, es müssten von verantwortlichen Gremien Indikationslisten erstellt werden, die ähnlich dem skandinavischen Modell nach der Dringlichkeit der Versorgung gestaffelt sind. Dies würde dann auch die Zugangsvoraussetzungen zu diesen Leistungen für die Bevölkerung klar und deutlich regeln. Eine drohende Gefahr und auch eine schon gängige Praxis der ungerechten Verteilung, die Rationierung, wären damit abgewendet.
Nun tauchen Probleme auf, die Hoppe zweifellos auch sieht:Skandinavien und Deutschland sind sich zwar sehr ähnlich, doch haben sie unterschiedliche soziokulturelle Entwicklungen hinter sich. In Deutschland hat sich die Bevölkerung, ausgehend von den Bismarck`schen Sozialreformen, auf eine stetige ausreichende Versorgung auf dem sozialen Sektor eingestellt. Noch heute wird den Menschen von der Politik eingeredet, dass unser Gesundheits- und Sozialwesen stabil bliebe, wenn doch nur das ruhende Potenzial endlich genutzt würde. Die Deutschen von ihrem verfestigten Versorgungsanspruch abzubringen, wird schwierig sein. In Skandinavien dagegen wurde schon immer nach den vorhandenen Möglichkeiten gehandelt, obwohl der Anteil der Sozialbeiträge am Gesamteinkommen dort sehr hoch war und ist.Der deutschen Bevölkerung bleibt die schleichende Rationierung von medizinischen Leistungen weitgehend verborgen. Überlange Wartezeiten werden als mindere Leistung gar nicht empfunden, der Druck der Krankenkassen auf die Ärzte, das möglichst Billigste zu verschreiben, wird größer, die Bindung der Patienten an eine bestimmte Versorgungsstruktur durch Hausarztverträge wird klaglos hingenommen, die Pauschalisierung der medizinischen Leistungen in den Krankenhäusern führt zu notwendigen Leistungseinschränkungen usw. Der bisherige Gipfelpunkt dieser Verschleierung ist es, die eindeutig der Rationierung dienenden Änderungen der hiesigen Bevölkerung als Gesundheitsreform und Wettbewerbsstärkungsgesetz zu verkaufen.Nun, Hoppe wird den Vorwurf durch die Gesundheitsministerin, sein Vorstoß sei „menschenverachtend", locker aushalten, ist er doch überzeugt, dass eine Priorisierung, sie muss nicht das skandinavische Modell nachahmen, das Mittel ist, die Rationierung von medizinischen Leistungen noch aufzuhalten.
Quellen: Dtsch. Ärztebl. 2007, 104 (14), und 2009, 106 (22)  

 


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