Beschworen wurde unter anderem die Gefahr der unkritischen Eingriffe in den Sterbeprozess eines Menschen durch die fast allmächtige Apparatemedizin, und dass die Menschen vor dieser Medizin Angst hätten.
Alle Medien heizten dieses Thema an bis zu zweifelhaften Höhepunkten in unreflektierten Darstellungen über die Gefährlichkeit des Sterbens, und das deshalb, einfach und gleich tot zu sein, besser ist als das erlebte Sterben. Das reichte von dem Auftritt des „Engelmachers" Kusch mit seiner Tötungsmaschine bis hin zu dem Befürworter der Tötung auf Verlangen, Oswalt Kolle, der meint, nach seinem Mühen um die Steigerung der Geburtenrate in den Fünfzigern, jetzt auch für die Erhöhung der Sterberate kämpfen zu müssen (Anne Will, Fernsehdiskussion: Tabu Freitod, 9. Jan. 2009).
Wenig wurden die Menschen aber darüber aufgeklärt, dassdie Apparatemedizin nicht die Dämonin ist, die Leiden und Sterben verlängert, sondern dafür entwickelt wurde, einen vorzeitigen Tod zu verhindern, sei es durch die Beherrschung von Notsituationen oder die Ermöglichung ausgedehnter Operationen, also in der Anwendung als lebensfreundliche Technik.
Nun stellen sich trotzdem einige Wahrheiten heraus der Art, dass in der Bevölkerung keineswegs eine Technikfeindlichkeit besteht, im Gegenteil: Nach einer Befragung von 1400 Patienten einer großen Univ.-Klinik ist für 76% der Befragten die Apparatemedizin eine zusätzliche Steigerung der Behandlungssicherheit. Mehr noch: In der Imagebeurteilung schneidet die Apparatemedizin deutlich besser ab als die verschreibende Medizin, weil sie, laut Studie, bei den Menschen ein höheres Vertrauen erzeugt.
Folgt man dieser Studie, so wurde im Gesetzgebungsprozess mittels eines Scheinproblems ein Menetekel an die Wand gemalt, das wohl keine Basis in der Praxis hatte, aber für die politische Meinungsmache gut war. Es ist zu hoffen, dass die vergangene Kampagne das Vertrauen der Menschen in die Apparatemedizin, wie auch in die verschreibende und sprechende Medizin nicht beschädigt hat. Offenbar ist dieses Vertrauen aber so leicht nicht zu erschüttern.
Quelle zur Patientenbefragung: Gerhard Riegl in Chefarzt Aktuell, Mai/Juni 2009 - Nr. 3/09
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