Hier beschreibt er seine Alkoholentwöhnung im Selbstversuch, die ihm mit dem aus der Neurologie bekannten Medikament Baclofen gelang. Baclofen wird bei spastischen Muskelerkrankungen eingesetzt zur Minderung der Verspannungen. Nun rauscht es im deutschen Fachblätterwald, als wäre der Stein der Weisen gefunden worden. Selbst der Spiegel nahm sich des Themas an. Dabei wurde geflissentlich übersehen, dass bereits im Jahre 2000 italienische Ärzte das Therapieprinzip Baclofen zur Alkoholentwöhnung zum Patent angemeldet hatten. Schon einmal machte ein Medikament zur Alkoholentwöhnung eine ähnliche Karriere, es ist unter der Handelsbezeichnung Campral® im pharmazeutischen Vertrieb. Es wirkt über die Besetzung von zentralnervösen Rezeptoren und blockiert damit die Ankopplung von erregenden Botenstoffen, die bei Alkoholismus erhöht sind. Damit kann man einen so genannten Anticraving Effekt erzielen, das heißt, die Gier nach Alkohol wird gedämpft. Leider hat das Präparat, bei vielen Alkoholkranken angewendet, zu keiner Steigerung der Abstinenzrate geführt. So erging es auch einem Vorgängerpräparat ( Antabus ), das über die Erzeugung einer Alkoholunverträglichkeit eine dauerhafte Abneigung gegen den Suchtstoff induzieren sollte. Über den Wirkmechanismus der neuen Wunderpille weiß man derzeit nicht viel, bzw. es bestehen nur Vermutungen. So sind größere klinische Versuchsreihen über die Wirksamkeit des Präparates noch nicht durchgeführt worden. Kleinere Anwendungsbeobachtungen zeigten jedoch eine Verlängerung der Abstinenzdauer, was aber nicht als evident gelten kann. Zur Euphorie besteht also kein Anlass, zumal die Liste der Nebenwirkungen recht lang ist. Wieder ist zu bemerken, dass die Änderung eines Suchtverhaltens über die Psyche geht, und die alleinige Anwendung eines Medikaments wenige Erfolgsaussichten hat. Darüber hinaus ist gerade die Alkoholsucht mit einer genetischen Komponente besetzt. Trotzdem ist die weitere Suche nach wirksamen Methoden der Suchtbekämpfung lohnenswert.
Dr. Rainer Hübner
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